Der Gin und sein Weg zum populären Welt-Schnaps

Weltweit stehen mehrere Hundert Sorten zur Auswahl. Allein in Deutschland haben über 18.700 Destillerien im Jahr 2012/2013 6,3 Millionen Liter Gin produziert. Der Wacholderschnaps ist beliebter denn je. Wie es dazu kam, zeigt seine Geschichte - von der "Medizin" zum "In-Drink".

Genever - der Vorgänger mit "heilender Wirkung"

Die Geschichte des Wacholderschnaps ist strittig. Die Entstehung geht aber zweifellos auf den Genever zurück. Der deutsche Arzt Franciscus Sylvius, geboren als Franz de le Boe, gehörte im 16. Jahrhundert zu jenen Forschern der niederländischen Lüden Universität, die ein alokoholbasiertes Heilmittel gegen Magenbeschwerden entwickeln wollten. Durch die Zugabe von Wacholder erhielt das Mittel einen würzigen Geschmack und wurde so schnell zum beliebten Tropfen.

Wie aus Genever Gin wurde

Genever, was im Niederländischen mit "Wacholder" übersetzt wird, eroberte schon bald die Gaumen britischer Militärtruppen. Sie tranken den Schnaps, als sie im 17. Jahrhundert im Holländisch-Spanischen Krieg die Niederländer unterstützten und nahmen ihn mit auf ihre Insel. In Großbritannien lebende Niederländer halfen den Genever zu verbreiten, der schnell durch das kürzere "Gin" bekannt wurde. Der Schnaps wird auf Basis eines stärkehaltigen Alkohols gebrannt - vor allem Getreide und Melasse. Durch die Zugabe von Wacholder, Koriander, Ingwer oder Muskat erhält er seinen einzigartigen Charakter, der heute in über 750 verschiedenen Sorten zum Ausdruck kommt.

Ein Schnaps erobert die Briten

Als der niederländische König Wilhelm III. 1689 die Regentschaft in England übernahm, erließ er ein Einfuhrverbot für den beliebten französischen Brandy und erhob hohe Steuern auf Weine und Spirituosen aus Deutschland, Spanien und Frankreich. Mit dem "Distilling Act" kurbelte er die inländische Produktion von Getreide- und Korndestillaten an. Denn fortan war es jedem Engländer mit einer Lizenz erlaubt, derlei Schnäpse herzustellen. Vier Jahre später erhöhte König Wilhelm die Zölle auf Bier und andere Spirituosen. Dadurch wurde der Wacholderschnaps ungemein günstig und die Bevölkerung verfiel in ein regelrechtes Gin-Fieber. Der Boom folgte im 18. Jahrhundert, als Königin Anne die Lizenzen wieder aufhob und theoretisch jeder Engländer Wacholderschnaps brennen durfte.

Keine Bar ohne Gin

Der Rausch der Engländer hatte zwei Nachteile: Im Zuge der Massensproduktion verlor der Wacholderschnaps an Qualität. Gleichzeitig betranken sich die Arbeiter ständig mit dem billigen Fusel. Die Folge: Die Produktionsleistung und der Profit sanken. Mit dem "Gin Act" in 1736 reduzierte man die Produktion und den Konsum auf ein Minimum. Zeitweise sollen in England nur zwei Destillerien Gin produziert haben. Die Engländer waren jedoch erfinderisch und umgingen die fest definierte Herstellungsweise durch kleine Abwandlungen in der Rezeptur.

Die industrielle Revolution in England und die britische Kolonialherrschaft führten dazu, dass sich die Hysterie über die Welt verbreitete. In der weiteren Entwicklung dachte man sich verschiedene Qualitätsverfahren zur Herstellung aus und kreierte zunehmend verschiedene Mixgetränke wie den berühmten Gin Tonic. Es dürfte heute kaum eine Bar geben, die keinen Ginausschenkt. Viele sind sogar einzig auf den Wacholderschnaps spezialisiert.

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